Simulacron^3 gestartet

Mit Simulacron3 gehe ich nun sicher schon ein Jahr schwanger: Es sollte ein Blog werden, das sich um das dreht, was man je nach Sichtweise “virtuelle Welten”, “Virtualität” oder auch “Cyberspace” (William Gibson), “Welt 3″ (Karl Popper) oder “Simulacrum” (Jean Baudrillard) nennen könnte. Ich meine damit eine zweite Welt (oder besser: viele zweite Welten), die sich zur echten ein bisschen so verhält wie die Landkarte zum Gelände, das Modell zur Wirklichkeit, der Fake zum Echten.

Das Wort Simulacron3 stammt aus dem Roman “Counterfeit World” von D.F.Galouye, den ich als Jugendlicher in der Fassbinder-Verfilmung “Welt am Draht” kennen lernte. Die Idee einer unter- oder übergeordneten Wirklichkeit fand ich damals höchst faszinierend, die Trivialisierung durch den popkulturellen Impact von Filmen wie “Matrix” hat daran nichts geändert.

Denn ich glaube: Diese zweite Welt existiert. Aber: Sie ist nicht mit unserer Identisch. Und wir laufen Gefahr, sie für die wirkliche zu halten. Ja mehr noch: Als “Hyperrealität” – das Abbild einer Realität, die gar nicht existiert – führt sie uns zu falschen Schlüssen.

Wenn Ihr Navi sagt, Sie müssen links abbiegen, obwohl dort gar keine Straße ist, dann haben Sie eine der Folgen dessen vor sich, was passiert, wenn wir die Virtualität für die Realität halten. Die Folgen sind weitreichend, denn wir können uns unserem virtuellen Schatten gar nicht mehr entziehen, zugleich haben aber – anders, als in der Wirklichkeit – nicht mehr länger die alleinige Kontrolle über ihn. Die Schufa zum Beispiel kontrolliert gemeinsam mit Banken eine virtuelle Welt des Vertrauens, in der Sie zwar vorkommen, aber bestenfalls und mühevoll ein Auskunftsrecht haben. Inzwischen glauben auch Länder daran, die Karte ‘Google Maps’ wäre die Wirklichkeit und streiten sich ganz real ums Territorium (ja, mir ist klar, dass es in diesem Fall wohl nur ein Vorwand ist. Heute. Noch.)

Es soll in diesem Blog nicht darum gehen, virtuelle Welten, Simulationen und Fälschungen zu verdammen. Das wäre Blödsinn – sie existieren mit unserem Zutun ebenso wie ohne es, und zwar schon lange, in unserem Bewusstsein und in dem anderer, zum Beispiel als Welt der Ideen. Der Cyberspace braucht gar kein Cyber, er kann auch mündlich weiter gegeben werden.

Doch ab und zu darüber plaudern kann man ja mal. Sie sind als Leser, Kommentator, Gast- und Mitblogger herzlich eingeladen, ich freue mich über interessante Beiträge.

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